Sachkundenachweis für Betreuer*innen

Was ist der Sachkundenachweis für Betreuer und betrifft Sie das überhaupt? Wir haben die wichtigsten Punkte aus dem aktuellen Gesetzesentwurf (vollständiger Gesetzestext siehe hier) für Sie zusammengefasst:

Sind Sie Berufsbetreuer oder Vereinsbetreuer?

Begann Ihre erste berufliche Betreuung nach dem 01.01.2020?

Willkommen im Boot, Sie müssen zukünftig Ihre Sachkunde nachweisen…

Eine staatliche Prüfung der Sachkunde wird es nicht geben. Stattdessen sieht der Gesetzgeber vor, dass der Sachkundenachweis von Berufsbetreuern und Vereinsbetreuern durch fest definierte Fortbildungen erbracht wird.

Das sieht der Gesetzesentwurf vor:

270 Stunden Fortbildung = 360 Unterrichtseinheiten (UE) à 45 Minuten

11 Module

  • Teilweise Anerkennung von Sachkunde für die Studienabschlüsse Soziale Arbeit/Sozialpädagogik und Jura (Volljuristen)
  • Weitere Sachkunde kann z.B. aus bisherigen Ausbildungen oder Fortbildungen anerkannt werden. Ob eine Anrechnung stattfindet, entscheidet die Stammbehörde im Einzelfall.

Wenn Sie also Ihre Betreuertätigkeit erst nach dem 01.01.2020 aufgenommen haben, müssen Sie 360 UE Fortbildungszeiten für den Sachkundenachweis erbringen. Dabei können Ihre Ausbildungs- und Studiengänge berücksichtigt werden. Haben Sie Sozialpädagogik /Soziale Arbeit oder Jura studiert? Dann hat der Gesetzgeber schon definiert, welche Module Sie noch belegen müssen. Schauen Sie mal hier:

Für die Absolvenzen der Studiengänge Soziale Arbeit / Sozialpädagogik erkennt der Gesetzesentwurf Ihre Sachkunde in den Modulen 8-11 an. Die Module 1 – 7 müssen Sie für den Sachkundenachweis erbringen. Ihr Fortbildungsplan sieht dann so aus:

  • Modul 1: Betreuerbestellung und Zusammenarbeit mit dem Betreuungsgericht (20 UE à 45 Minuten / 15 Stunden)
  • Modul 2: Betreuungsführung (40 UE à 45 Minuten / 30 Stunden)
  • Modul 3: Recht der Unterbringung und der ärztlichen Zwangsmaßnahmen (20 UE à 45 Minuten / 15 Stunden)
  • Modul 4: Personensorge 1 (20 UE à 45 Minuten / 15 Stunden)
  • Modul 5: Personensorge 2 (20 UE à 45 Minuten / 15 Stunden)
  • Modul 6: Vermögenssorge 1 (20 UE à 45 Minuten / 15 Stunden)
  • Modul 7: Vermögenssorge 2 (20 UE à 45 Minuten / 15 Stunden)
  • Summe: 160 UE à 45 Minuten / 120 Stunden

Haben Sie noch weitere Ausbildungen? Haben Sie bereits Fortbildungen zu o.g. Themen belegt? Weitere Nachweise können Sie ebenfalls vorlegen, sodass Sie für den vollständigen Sachkundenachweis hoffentlich nur noch „die Lücken füllen“ müssen. Die Betreuungsbehörden entscheiden im Einzelfall, ob ein anderweitiger Nachweis anerkannt wird oder nicht.

Sind Sie Volljurist? Dann erkennt der Gesetzesentwurf Ihre Sachkunde in den Modulen 1-3 und 4-9 an. Für die Module 4, 10 und 11 müssen Sie den Sachkundenachweis erbringen. Ihr Fortbildungsplan sieht dann so aus:

  • Modul 4: Personensorge 1 (20 UE à 45 Minuten / 15 Stunden)
  • Modul 10: Grundlagen der Kommunikation und Praxistransfer (40 UE à 45 Minuten / 30 Stunden)
  • Modul 11: Betreuungsspezifische Kommunikation/ Methoden der unterstützten Entscheidungsfindung (60 UE à 45 Minuten / 45 Stunden)
  • Summe: 120 UE à 45 Minuten / 90 Stunden

Haben Sie noch weitere Ausbildungen? Haben Sie bereits Fortbildungen zu o.g. Themen belegt? Weitere Nachweise können Sie ebenfalls vorlegen, sodass Sie für den vollständigen Sachkundenachweis hoffentlich nur noch „die Lücken füllen“ müssen. Die Betreuungsbehörden entscheiden im Einzelfall, ob ein anderweitiger Nachweis anerkannt wird oder nicht.

Sie haben keinen der im Gesetzesentwurf genannten Abschlüsse? Dann muss Ihre Stammbehörde bei Ihnen im Einzelfall prüfen, welche Sachkunde aus Ihrer bisherigen Ausbildung und Fortbildung für den Sachkundenachweis anerkannt werden kann. Haben Sie bspw. eine kaufmännische Ausbildung? Dann könnte Modul 6 in Frage kommen. So sieht der vollständige Modulplan aus:

  • Modul 1: Betreuerbestellung und Zusammenarbeit mit dem Betreuungsgericht (20 UE à 45 Minuten / 15 Stunden)
  • Modul 2: Betreuungsführung (40 UE à 45 Minuten / 30 Stunden)
  • Modul 3: Recht der Unterbringung und der ärztlichen Zwangsmaßnahmen (20 UE à 45 Minuten / 15 Stunden)
  • Modul 4: Personensorge 1 (20 UE à 45 Minuten / 15 Stunden)
  • Modul 5: Personensorge 2 (20 UE à 45 Minuten / 15 Stunden)
  • Modul 6: Vermögenssorge 1 (20 UE à 45 Minuten / 15 Stunden)
  • Modul 7: Vermögenssorge 2 (20 UE à 45 Minuten / 15 Stunden)
  • Modul 8: Sozialrecht 1: Grundkenntnisse des Sozialrechts (40 UE à 45 Minuten / 30 Stunden)
  • Modul 9: Sozialrecht 2: Sozial- und Hilfestrukturen in der Praxis (60 UE à 45 Minuten / 45 Stunden)
  • Modul 10: Grundlagen der Kommunikation und Praxistransfer (40 UE à 45 Minuten / 30 Stunden)
  • Modul 11: Betreuungsspezifische Kommunikation/ Methoden der unterstützten Entscheidungsfindung (60 UE à 45 Minuten / 45 Stunden)
  • Summe: 360 UE à 45 Minuten / 270 Stunden

Haben Sie andere Ausbildungen oder Studienabschlüsse? Dann können Ihnen vielleicht noch andere Module oder Teilbereiche der Module anerkannt werden. Wollen Sie wissen, was hinter den Modul-Überschriften steckt?

Was steckt hinter den Modul-Überschriften?

  • Betreuerbestellung: Voraussetzungen, Verfahren, Sachverhaltsermittlung
  • Anordnung eines Einwilligungsvorbehalts: Voraussetzungen, Grenzen, Verfahren
  • Aufgabenbereiche
  • Aufsicht durch das Betreuungsgericht
  • Berichts-, Auskunfts- und Mitteilungspflichten
  • Genehmigungsvorbehalte einschließlich Verfahren
  • UN-BRK, insbesondere Artikel 12: Unterstützung bei der Ausübung der Rechts- und Hand-lungsfähigkeit,
  • Bedeutung der Grundrechte
  • Ermittlung der Wohn- und Lebenslage des Betreuten
  • Erarbeitung der Betreuungsziele
  • Vorrang der Unterstützung und Willensvorrang nach § 1821 BGB
  • Wille, Wünsche, Präferenzen
  • Erforderlichkeitsgrundsatz im Innenverhältnis
  • Schutzpflichten
  • Freiheitsentziehende Unterbringung und sonstige freiheitsentziehende Maßnahmen nach Betreuungsrecht und nach öffentlichem Recht:
    Voraussetzungen und Verfahren
  • Einwilligung in ärztliche Zwangsmaßnahmen: Voraussetzungen und Verfahren
  • Aufgaben des Betreuers während des Vollzugs einer freiheitsentziehenden Unterbringung, sonstiger freiheitsentziehender Maßnahmen und ärztlicher Zwangsmaßnahmen
  • Grundkenntnisse über typische betreuungsrelevante Erkrankungen und Behinderungen, deren Auswirkungen, Gefahren und Behandlungsmöglichkeiten
  • Möglichkeiten der Vermeidung einer freiheitsentziehenden Unterbringung, sonstiger frei-heitsentziehender Maßnahmen und ärztlicher Zwangsmaßnahmen
  • Behandlungsvertragsrecht, Einwilligungsfähigkeit und Patientenrechte
  • Behandlungswünsche, Patientenverfügung, Sterbewunsch
  • Einwilligung des Betreuers bei gefährlichen ärztlichen Maßnahmen: Voraussetzungen und Verfahren
  • Aufgabe von Wohnraum
  • Umgangs- und Aufenthaltsbestimmung
  • Geschäftsfähigkeit
  • Recht der Stellvertretung
  • allgemeines Schuldrecht einschließlich Haftungsfragen
  • Kaufvertragsrecht
  • Schuldenregulierung, Mahn- und Vollstreckungsbescheid, Zwangsvollstreckung, Insolvenzverfahren
  • Vermögensverwaltung und Verfügungen über das Betreutenvermögen
  • Vermögensverzeichnis, Rechnungslegung und Genehmigungsvorbehalte
  • Betreuungsrelevante Aspekte des Miet- und Heimrechts
  • Betreuungsrelevante Aspekte des Erb- und Familienrechts
  • Das SGB (Sozialrecht) im Überblick, insbesondere Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts einschließlich der Kosten der Unterkunft, vor allem nach dem Zweiten und Zwölften Buch Sozialgesetzbuch
  • Sozialleistungsansprüche nach dem Fünften, Sechsten und Elften Buch Sozialgesetzbuch
  • Ermittlung, Geltendmachung und Durchsetzung von sozialrechtlichen Ansprüchen sowie sozialrechtliche Mitwirkungspflichten
  • Teilhabeleistungen vor allem nach SGB IX
  • Teilhabe- und Gesamtplanverfahren
  • Leistungsformen der Eingliederungshilfe (z.B. Teilhabe am Arbeitsleben, medizinische Rehabilitation, Teilhabe an Bildung und Leistungen zur sozialen Teilhabe)
  • Besondere Wohnformen und ambulant betreute Wohngemeinschaften
  • Pflegeleistungen in Kombination mit anderen SGB-Leistungen
  • Leistungen der Pflegeversicherung
  • Leistungen der Hilfe zur Pflege nach SGB XII
  • Leistungen der Krankenversicherung im Pflegefall-Behandlungspflege
  • Leistungen der Eingliederungshilfe im Pflegefall
  • Methoden zur fallbezogenen Erschließung und Nutzung von Sozial- und Hilfestrukturen so-wie von Netzwerken
  • Theoretische Konzepte und Methoden der Kommunikation
  • Grundhaltungen und Techniken der Kommunikation
  • Diversitätssensible Kommunikation
  • Ressourcenorientierte Kommunikation
  • Konfliktmanagement in der Kommunikation
  • Selbst- und Machtreflexion
  • Auswirkungen spezifischer krankheits- bzw. beeinträchtigungsbedingter Einschränkungen auf die Fähigkeit der Kommunikation und der Entscheidungsfindung
  • Bedeutung sozialer und umweltbedingter Einflussfaktoren auf Autonomie und Entscheidungsfindung von betreuten Menschen
  • Methoden zur kommunikativen Verhinderung von Ausschlussmechanismen
  • Barrierefreie Kommunikation, leichte Sprache
  • Drei- oder Mehrparteien-Interaktion mit betreuten Menschen
  • Erkennen und Ermitteln von Wunsch, Wille und Präferenzen von betreuten Menschen in der Kommunikation einschließlich biographischer
  • Aspekte und Werthaltungen
  • Methoden der Unterstützung bei der Entscheidungsfindung betreuter Menschen und praktische Erprobung

Nun haben Sie einen ersten Überblick über das Thema Sachkundenachweis für Betreuer. Das Gesetz ist noch nicht verabschiedet, soll aber zum 01.01.2023 in Kraft treten. Natürlich wird es aber eine Übergangsfrist geben, wahrscheinlich bis zum 30.06.2025.

Ein Problem gibt es da aber...

Der Gesetzesentwurf schreibt eine Selbstlernzeit von maximal 15 % vor. Für viele Fans der digitalen Möglichkeiten ein echter Rückschritt.

Die bis zu 360 UE sollen laut Gesetzesentwurf also größtenteils in Online-Live oder Präsenzterminen stattfinden. Sie als Betreuer ohne Sachkunde dürfen sich also auf feste Zeiten einstellen, zu denen Sie mit Ihren Kommilitonen gemeinsam den Worten des Dozenten lauschen. Für viele, die die Vorteile einer Fortbildungs-Mediathek bereits schätzen gelernt haben, klingt das wenig attraktiv. Zumal die Live-Fortbildungen auch erheblich kostenintensiver sind, da der qualifizierte Dozent sein Wissen ja immer wieder neuen Kommilitonen weitergeben muss.

Wenn es am Ende darum geht, die erforderliche Sachkunde nachzuweisen, warum wird der Weg so stark vorgegeben?

Diese Frage können wir leider nicht beantworten. Aber…

 

... wir haben da eine Idee!

Es gibt eine Möglichkeit, sich die erforderliche Sachkunde dennoch flexibel und selbstbestimmt anzueignen. Wir arbeiten mit Hochdruck an der Umsetzung. Dabei behalten wir unsere große Idee, dass Sie sich Wissen flexibel und selbstbestimmt aneignen können, im Fokus.

 

Gehören Sie zu den „Glücklichen„, die den Sachkundenachweis erbringen müssen? Haben Sie die Vorteile wie Flexibilität und Selbstbestimmung einer Fortbildungs-Mediathek bereits schätzen gelernt?

Dann informieren wir Sie gern, sobald unser Angebot zum Sachkundenachweis so weit ist.

Sofern Sie keinen Widerspruch einlegen, nutzen wir Ihre E-Mail-Adresse zum Versand von Werbung für unsere Fortbildungen bzw. Services. Sie können dieser Nutzung Ihrer Kontaktadresse jederzeit per Benachrichtigung an kontakt@betreuerbildung-online.de oder per Klick in der E-Mail widersprechen.

P.S.

Auch ich, Catharina Kankowski, Gründerin von betreuerbildung-online.de, gehöre zu denjenigen, die den Sachkundenachweis erbringen müssen. Zwar halte ich aus diversen Gründen viel davon, dass Betreuende eine gewisse Sachkunde aufweisen und nachweisen müssen.

Der vorgeschriebene Weg gefällt mir als begeistertem Fan von selbstbestimmtem Lernen und Arbeiten dagegen gar nicht. Unter anderem wegen der Selbstbestimmung und Freiheit habe ich mich selbstständig gemacht.

Ich habe also auch ein persönliches Interesse, den Sachkundenachweis als flexibles und selbstbestimmtes Angebot zu entwickeln. Schlicht und einfach, weil das die Art und Weise ist, wie ich mir die Sachkunde selbst aneignen möchte.

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